Gute Nacht, Frau Bauer! 
Thursday, 11. May, 2006 - Medien
Kurz nach Mitternacht landete ich zufällig bei der ARD-Sendung "Nachtmagazin". Selbstverständlich durfte auch hier die kommende Fußballweltmeisterschaft nicht fehlen. Wäre das runde Leder allerdings derart holprig wie die Grammatik der "Nachtmagazin"-Redakteure, gäbe es bei der Weltmeisterschaft nur unansehnliche Spiele zu sehen.

So kündigte Moderatorin Gabi Bauer den folgenden Bericht damit an, es werde der "perfekteste" Rollrasen in den WM-Stadien verlegt. Vielleicht kann Frau Bauer ja in der nächsten Sendung einmal definieren, was noch perfekter als perfekt ist. Dann könnte sie außerdem erklären, was sie meint, wenn sie von "WM-mäßig" spricht: hinsichtlich der WM, die WM betreffend oder gar eine mäßige WM?
   In dem Bericht über die Verlegung des Rollrasens durfte sich auch dessen Züchter äußern. Daß er ein Holländer ist, mußte man sich jedoch zusammenreimen, weil die Einblendung unter seinem Namen eher einer grammatischen Hieroglyphe glich: "Rasenzüchter Holland". Dabei wäre es doch überhaupt nicht schwer gewesen, eine halbwegs akzeptable Beschreibung zu basteln: Rasenzüchter aus Holland oder Holländischer Rasenzüchter oder wenigstens Rasenzüchter (Holland). Aber das scheint bereits zu schwer für deutschsprachige Redakteure zu sein.

Freilich kann man dies als Erbsenzählerei - oder in diesem Falle: Grashalmezählerei - abtun, denn es wird kaum jemanden geben, der die deutsche Sprache perfekt beherrscht. Darum geht es auch nicht. Es geht darum, daß ausgerechnet die Menschen, zu deren Handwerkszeug die deutsche Sprache gehören sollte, mit jedem Tag ein neues Armutszeugnis abliefern, so daß man sich fragt, welche Qualifikation in den Medien überhaupt gefragt ist - dummes Zeug reden und schreiben kann es ja wohl nicht sein.
   Und wohlgemerkt: Es sind die gleichen Medien, die vor wenigen Jahren unaufhörlich über das Thema PISA-Studie berichteten! Es zeugt von Peinlichkeit und gewisser Komik, wenn sich ausgerechnet diejenigen über mangelndes Wissens beklagen, die ihr eigenes verlottern lassen.
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 10089 )

Protest ist angesagt! 
Wednesday, 10. May, 2006 - Politik
Wie oft habe wir das bereits gehört: Die Menschen hierzulande müssen Opfer bringen, den Gürtel enger schnallen und Verzicht üben.

Diese Aussagen werden allerdings nicht wahrer, indem sie von Politikern wie Merkel und Müntefering oder Arbeitgebervertretern à la Rogowski und Hundt gesagt und von den Massenmedien unüberlegt verbreitet werden. (Ja, ja, die Sachzwänge der Journalisten, die eigentlich selbst um ihre Stellen fürchten müssen und keine Zeit mehr haben, um etwas zu recherchieren und deshalb lieber gleich Pressemitteilungen und Behauptungen eins zu eins übernehmen.)
   Statt einmal davon auszugehen, daß die oben erwähnten Personen nicht fähig oder nicht willens sind, etwas für statt ständig gegen die Menschen in diesem Lande zu tun, werden bei mangelnden Ergebnissen nicht etwa die Fehler bei sich selbst gesucht, sondern den Menschen vorgeworfen, sie hätten sich nicht genug bemüht.

Anders gesagt: Politiker denken nur in Wahlperioden, Arbeitgeber an noch größeren Profit: beides sichert ihre eigene Existenz. Deswegen muß solchen Leuten keinen Vorwurf machen - so schwer das auch fällt -, aber die Bürgerinnen und Bürger müssen verstehen, daß Politiker und Arbeitgeber den Teufel tun werden, um an dieser Situation etwas zu ändern. Die Entscheidungsträger berühren solche Situationen nur unmittelbar: Nach einigen Jahren scheiden sie aus ihren Ämtern und Posten aus, und wenn es gut läuft, dürfen sie Jahre später altersweise in Gesprächsrunden auftreten und die aktuelle Politik anprangern, zu deren Verlauf sie selbst noch beigetragen hatten, siehe Norbert Blüm, siehe Heiner Geißler, siehe Olaf Henkel.
   So stört es sie nicht, wenn die Karre im Dreck festsitzt und das Volk sich ständig bemüht, ihn wieder flottzumachen - denn schließlich läßt sich das Volk noch viel zu oft gefallen, nicht nur schuld daran zu sein, daß der Karren im Dreck steckt, sondern daß es sich angeblich gar nicht bemüht, daran etwas zu ändern.

Doch diese Vorwürfe und Beleidigungen, mit denen uns permanent das Dasein vermiest wird, dürfen so nicht mehr hingenommen werden. Sonst werden wir weiterhin passiv handeln und aktiv leiden. Deshalb: Protest!


Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 10239 )

Nicht aus dieser Welt 
Wednesday, 10. May, 2006 - Allgemein
Aus gesundheitlichen Gründen habe ich es leider versäumt, die Essays, Kommentare und Pamphlete fortzuführen. Verwaist sind diese Seiten aber auf keinen Fall!

Und so möchte ich mit Marius Müller-Westernhagen sagen:

Ich bin wieder hier,
in meinem Revier,
war nie wirklich weg,
hab mich nur versteckt.


Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 10213 )

Baff betrunken an der Erwart-Bar 
Thursday, 26. January, 2006 - Medien, Allgemein
Vorgestern abend meinte ein Kommentator auf Eurosport, der Fußballspieler sei baff erstaunt gewesen.
   Oops, someone did it again?!
   Denn natürlich heißt es nicht baff erstaunt. Entweder ist man baff oder man ist bass erstaunt, wie bereits der "Zwiebelfisch" Bastian Sick schrieb: ZWIEBELFISCH-ABC.

Doch auch öffentlich-rechtliche Sender mischen eifrig an der Verwurstung der deutschen Sprache mit. So meinte kürzlich ein Kommentator während eines Eisschnellauf-Wettbewerbes, das Ergebnis sei erwartbar gewesen.
   Man mag den Duden wälzen, wie man will, aber "erwartbar" wird man dort nicht finden. Etwas ist zu erwarten, nicht jedoch ist etwas erwartbar.

Eines muß man diesen Sprechern, deren Handwerk eigentlich das Sprechen sein sollte, lassen: Sie wissen mit der Sprache phantasievoll umzugehen! Nur darf man als gemeiner Zuschauer und Zuhörer nicht so "erwartbarig" sein, daß diese Leute noch immer wüßten, was sie sagen, wenn sie etwas sagen, das sie uns sagen müssen, obwohl es unsagbar bis unsäglich ist.
    Wäre da nicht zu überlegen - oder gar überlegbar? -, diese Sprecher zu zwingen, sich ihre eigenen Kommentare so lange anzuhören, bis sie Besserung geloben?
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 8983 )

Wie human kann eine Katastrophe sein? 
Friday, 06. January, 2006 - Medien
Wenn man bei Google nach der Phrase "humanitäre Katastrophe" sucht, erhält man ungefähr 43.000 Treffer.

Dieser Begriff läßt wieder einmal erkennen, welchen Unsinn Medien verbreiten und wie sehr er von Menschen gedankenlos nachgeplappert wird.
   Denn wie soll man sich eine humanitäre Katastrophe vorstellen? Der Begriff humanitär besagt nämlich lt. Duden: menschenfreundlich, wohltätig. Und eine Katastrophe wird als Unglück(sfall) großen Ausmaßes, Verhängnis, Zusammenbruch bezeichnet. Demnach ist also eine humanitäre Katastrophe beispielsweise ein wohltätiges Verhängnis oder ein menschenfreundlicher Unglücksfall?

Offenbar mußte sich erst in den Köpfen der Medienmacher ein menschenfreundlicher Zusammenbruch einstellen, um zu solchen unsinnigen Ausdrücken zu greifen.
2 Kommentare ( 282 mal angeschaut )   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 3583 )

Werbung? Nein, danke! 
Thursday, 05. January, 2006 - Allgemein
Wer kennt das nicht: Man öffnet seinen echten oder digitalen Briefkasten und findet Werbung vor, die man gar nicht will. Leider nutzt es meistens nichts, wenn man darauf hinweist, daß man keine Werbung wünscht. Oder einmal anders gesagt: Aus welchem Grund glauben all die Unternehmen, daß es für Otto Normalverbraucher keine größere Freude gibt, als ständig von Werbung beglückt zu werden?
   Wäre es angesichts dieser Werbeflut, daß sogar in Städten zusätzlich Pfähle mit rotierenden Leinwänden in den Boden gestampft werden, nicht einmal an der Zeit, die ganze Sache herumzudrehen, etwa in der Form, daß der Verbraucher ausdrücklich darauf hinweisen muß, wenn er Werbung wünscht? Freilich gefiele dies Werbe- und sonstigen Unternehmen gar nicht, aber angesichts der immer ausgefeilteren Maßnahmen (z. B. "Scoring"), mit denen sie Verbraucher zu überwachen versuchen, wäre das überlegenswert.

- Quarks & Co, Big Brother is watching

- Die Bannerserver-Killer-Seite, Die Kleinweich-Story
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 10033 )

Wenn sie wieder lügen (2) 
Wednesday, 04. January, 2006 - Medien
Daß der Spiegel ebenfalls zur "Koalition der Willigen" gehört, wurde gestern bereits festgestellt. Doch ob Tucholskys Worte wenigstens einige Menschen in den Hamburger Schreibstuben grübeln läßt? Die Hoffnung darauf sinkt, wenn man sehen muß, wie auf den Spiegel-Seiten mit Kurt Tucholskys "Rosen auf den Weg gestreut" umgegangen wird:

- "Ihr müßt sie Palmen sie umwandeln" - zweimal sie?
- "Pfeift eierm Hunde, wenn er sie ankläfft" - eierm?

(Spiegel, Projekt Gutenberg-DE)

Wer auch immer dafür verantwortlich ist, mit Tucholsky scheint er oder sie es nicht so sehr zu haben: schnell dahingeschludert und ab damit! Und im Internet findet man hie und da diesen Text mit exakt den gleichen Fehlern, da dem Spiegel leider noch allzuoft blindlings vertraut wird und sich alles ja so schön schnell mit "Copy & Paste" übertragen läßt.
   Wie mag es wohl mit dem vielen, vielen anderen Texten aussehen, wenn schon in einem solch kleinen Gedicht Flüchtigkeitsfehler begangen werden. Oder befinden sich die Texte auf der Flucht - vor dem Spiegel? Zu verdenken wäre es ihnen nicht.
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 2752 )

Wenn sie wieder lügen 
Tuesday, 03. January, 2006 - 9/11 - Der 11. September 2001, Medien
1. Alle Kriegsherren haben einen gemeinsamen Feind: die Wahrheit.
2. Kein Volk ist besser oder schlechter als dein eigenes.
3. Jeder Krieg ist eine Niederlage. Denn Krieg vernichtet Leben.
4. Wer Krieg im Namen Gottes führt, ist stets des Teufels.
5. Es gibt weder gerechte noch heilige Kriege.

(Kurt Tucholsky, "Wenn sie wieder lügen")

"2000 US-Soldaten und 30.000 Zivilisten starben im Irak" - so war es am 26. Oktober 2005 bei Spiegel Online zu lesen.
   Welch ein "ausgewogener" Bericht: In den acht Absätzen des Artikels handeln fünf von den Toten unter den US-Soldaten und einer von den Toten unter der "Koalition der Willigen". Die 30.000 irakischen Zivilisten - Opfer unter den irakischen Soldaten gab es offenbar nicht? - scheinen beim Spiegel keinen hohen Stellenwert einzunehmen, wird über sie erst anschließend in einem einzigen Absatz näher eingegangen, um danach wieder der US-amerikanischen Soldaten zu gedenken und den Präsidenten George W. Bush mit den Worten zu zitieren: "Wir haben im Krieg gegen den Terror einige unserer besten Männer und Frauen verloren".

Bei einer solch verzerrten Wirklichkeitswahrnehmung muß man sich ernsthafte Sorgen um den Gesundheitszustand der Spiegel-Redakteure machen. So nimmt es auch nicht wunder, daß dieses rotweiße Boulevardmagazin seine Leser glauben läßt, der 11. September sei aufgeklärt und die US-amerikanische Aufforderung zum Kampf gegen den weltweiten Terrorismus gerechtfertigt.

Propaganda mission accomplished, Herr Aust - zurück ins Glied!
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 10197 )

Vertrauen 
Monday, 02. January, 2006 - Gedanken und Gedichte
Vertrauen

Es ist schön, sagst Du,
Vertrauen zu haben
- dann hab es doch!
Was ist die Enttäuschung
- von der Du nicht weißt,
ob sie passiert -
gegen das Gefühl
Vertrauen zu haben?

(Jörn Pfennig)

http://www.joernpfennig.de/
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 2634 )

Ein Loblied auf die Staatsunternehmen 
Sunday, 01. January, 2006 - Gedanken und Gedichte, Allgemein
Eine merkwürdige, aber wahre Begebenheit, die mir vor einigen Jahren auf der Post in Höchst (Frankfurt am Main) widerfuhr:

Ich stand in der Warteschlange und kam gerade an die Reihe. Da rief hinter meinem Rücken eine Dame mittleren Alters leicht gehetzt der Postangestellten zu: "Entschuldigung, wo kann ich denn hier telefonieren?" Die Angestellte: "Telefonieren? Aber doch nicht in der Post!"

Vor zehn Jahren hätte diesen Witz noch niemand verstanden. Ich entsinne mich daran, daß es selbst in der kleinen Post meines Heimatortes Zeilsheim (Frankfurt am Main) eine Telefonzelle gab. Doch irgendwann, nachdem die Deutsche Bundespost privatisiert worden war, verschwand wie so viele Postfilialen auch diese.
   Wie seltsam wirkt es, wenn man in den vielen Jahren seiner Jugend an diesem Postamt vorbeikam, doch eines Tages all das, was früher gut gewesen war, auf einmal nicht mehr gut genug sein sollte.
   Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Infrastruktur der Bundespost mit Steuergeldern aufgebaut, und die Bürger bezahlten für die Postdienstleistungen Gebühren. Doch irgendjemand, der offensichtlich nur den finanziellen Vorteil sah, kam zu der Ansicht, daß nach fünfzig Jahren dieses Staatsunternehmen zu teuer sei. Das gleiche galt für die Deutsche Bundesbahn. Und so haben wir heute die Deutsche Telekom AG, die Deutsche Post World Net AG, die Deutsche Bahn AG sowie viele kleine Tochterfirmen.

Fortsetzung folgt...
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 1199 )

Same procedure as every year? 
Saturday, 31. December, 2005 - Medien, Allgemein
Jedes Jahr das gleiche: Silvester! Wieder "Dinner for One", wieder unsägliche Jahresendfeiern mit Prominenten und Möchtegern-Prominenten. Für wen wird eigentlich ein solches Fernsehprogramm gemacht: für Kinder, die nicht erwachsen geworden sind? Oder wird dieses Programm von Redakteuren gemacht, die - vielleicht sogar berechtigt - in ihrer Überheblichkeit annehmen, daß ein solches Programm für das gemeine Publikum ausreicht?
   Wer diesen Unsinn nicht sehen möchte, weil er noch über genügend Verstand verfügt, sollte für mindestens drei Monate die GEZ-Gebühren erstattet bekommen - als Schmerzensgeld!
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 10463 )

Mut: Los! 
Friday, 30. December, 2005 - Gedanken und Gedichte
Mut: Los!

Ich wünsche mir Menschen,
eine Welt voller Menschen,
die sich mit der gleichen Phantasie,
mit der gleichen Kombinationsgabe
und mit den gleichen Gefühlen
so kompromißlos und brutal
den Starken zur Wehr setzen,
wie sie es stets gegen
vermeintlich Schwächere
versuchen.

(06/IV/99)
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 9732 )

Wenn Experten wie Katzen laufen 
Thursday, 29. December, 2005 - Medien, Allgemein
Vor einigen Jahren kam in Fernsehberichten eine Marotte auf, die heute fast ausnahmslos so zu beobachten ist: Bevor die zu befragende Person - meist ein recht unbekannter Experte oder Kommunalpolitiker - tatsächlich befragt wird, sieht man, wie diese beispielsweise ein Buch aus dem Bücherregal holt und darin stöbert, einen Gang entlangschreitet, durch eine Tür kommt, eine Treppe herabsteigt usw. Der Off-Sprecher nutzt dieses "Catwalking", um in der Zwischenzeit den Zuschauern weitere Informationen mitzuteilen.
   Sicherlich kann man in solche Berichte hie und da überflüssige Bilder einbauen, um Text und Bild synchron zu halten. Früher war diese Art und Weise allerdings kaum gebräuchlich: da wurde knapp gesprochen, der Zuschauer nicht mit zu vielen Bildern vom Inhalt abgelenkt und dem zu Befragenden sofort das Mikrofon unter die Nase gehalten. Weil man aber heute dieses Stolzieren fast ausnahmslos sieht, wirken die Berichte hölzern, als seien sie im 08/15-Format zusammengeschustert worden. Auch wirkt es recht albern, bisweilen sogar lächerlich, wenn diese Personen zum "Catwalk" ansetzen und dabei so tun, als bemerkten sie die laufende Kamera nicht.

Es sollte Katzen und Mannequins vorbehalten bleiben, sicheren Schrittes zu "catwalken".

- Catwalk
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 2724 )

O Deutschland, du mein hetzlich Land (3)  
Wednesday, 28. December, 2005 - Politik
Immer wieder diese Sozialbetrüger! Sie nutzen jede Möglichkeit aus, um sich an unserem Staat zu bereichern. Oder? Oder nicht?

Im Frühjahr 1997 gab die Bundestagsfraktion der SPD eine Broschüre für den Umgang mit Sozialbehörden heraus. Diese Broschüre enthielt zum Beispiel den Ratschlag, wie man etwa sein Auto, das man als Sozialhilfeempfäner nur in Ausnahmefällen besitzen darf, doch behalten kann, indem man es auf Freunde oder Verwandte überschreibt. Die Regierung aus CDU/CSU und FDP schimpfte ob dieser Hinweise auf ganz legale Tricks.
   Welch eine widersinnige Reaktion!
   Dieses öffentliche Lamentieren ist seltsamerweise nicht zu vernehmen, wenn Bücher wie "Der grosse Konz - 1000 ganz legale Steuertricks" herausgebracht werden oder Magazine à la Capital ihren Lesern erklären, wie sie weniger Steuern abführen müssen.
   Es ist zwar allzu verständlich, daß jeder bei der Steuer möglichst viel einsparen möchte, andererseits sollte sich jeder bewußt machen, daß Steuerzahlungen allen zugute kommen. Schulen, Kindergärten, Autobahnen, Büchereien, Hallenbäder usw. ließen sich nicht mehr bezahlen, wenn niemand mehr Steuern zahlte. Da wir uns längst in einer solchen Phase befinden, wird nach und nach alles abgeschafft oder privatisiert. Dies kann zu der absurden Situation führen, daß die Menschen einerseits die Dienstleistungen der privatisierten Unternehmen bezahlen, andererseits nach wie vor die gleichhohen Steuern abführen, obwohl der Haushalt nicht mehr mit den nun privatisierten Unternehmen belastet wird, somit eigentlich die Steuern sinken müßten.

Wer sind nun die Sozialschmarotzer: diejenigen, die dem Staat Millionen an Steuern vorenthalten und dennoch geachtet und geehrt werden, oder diejenigen, die sich als Empfänger staatlicher Leistungen vielleicht einige hundert Euro erschwindeln und dafür diffamiert und kriminalisiert werden?

- Wasserprediger und Weintrinker - Wie Reichtum vertuscht und Armut verdrängt wird, Dorothee Beck/Hartmut Meine, 1997, Steidl-Verlag
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 2616 )

O Deutschland, du mein hetzlich Land (2) 
Tuesday, 27. December, 2005 - Politik, Medien
Das Sozialschmarotzertum wird öffentlich angeprangert. Freilich meinen diejenigen, die das anprangern, nur Arbeitslose, Arme und sonstiges "Gesinde". Doch so leicht wird es den Leistungsempfängern nun auch nicht gemacht, den Staat zu betrügen, denn sollte man wirklich glauben, es gäbe in unserem Bürokratenland keinerlei Kontrolle, um einen massenhaften Mißbrauch zu unterbinden?
   In den Medien wird die Stimmung gegen mögliche Schmarotzer noch mit Berichten wie "Kontrolle im Wohnzimmer - Mit Sozialdetektiven unterwegs" angeheizt. Daß es Schmarotzer gibt, steht außer Frage; allerdings wird mit solchen Berichten der Eindruck erweckt, als sei der Mißbrauch keine Ausnahme, sondern die Regel.
   Auch wird nicht überprüft, ob solcher Mißbrauch möglicherweise aus einer Not heraus geschieht. Denn soviel Geld, wie oft suggeriert wird, ist das nicht: Sozialhilfe-, Hartz-IV- und Grundsicherungsempfänger verfügen als Haushaltsvorstand nach Abzug von Miete, Kranken- und Pflegeversicherung und GEZ-Gebühren netto über rund 350 Euro (Behinderte evtl. 50 Euro mehr). Diese Zahl muß man beachten und nicht die Bruttosumme, die bisweilen in den Medien herumschwirrt und den Eindruck erweckt, als erhielten die Leistungsempfänger so viel, daß sich das Arbeiten nicht lohne.
   Von diesem Geld sind noch die monatlichen Telefon- und Stromkosten abzuziehen, bei bestimmten Haushalten auch (anteilig) Gas. Kleidung oder elektronische Geräte müssen ebenfalls davon bezahlt werden. Für alles andere, was ein Leben in dieser Gesellschaft ausmacht, muß man selbst aufkommen, da die Sozialbehörden dies als Luxus betrachten: mit Freunden ausgehen, Kinobesuche, Internet, Versicherungen, Urlaub etc. pp.
   Zusätzlich werden die Leistungsemfänger in anderer Form benachteiligt: Aus dem ARD-Politmagazin Monitor, gesendet am 10.08.2000:

--- Zitatanfang ---

Prof. Hans-Georg Petersen, Universität Potsdam: "Es sind viele Gruppen entlastet worden, aber es sind einige entscheidende Gruppen auch mehr belastet worden. Zu diesen Gruppen gehören die Rentnerhaushalte, die Arbeitslosenhaushalte und die Sozialhilfeempfänger-Haushalte, weil bei ihnen alleine die entsprechende Mehrbelastung durch die Öko-Steuerreform greift, während sie einkommensteuerlich nicht entlastet werden können."

Weil Rentner wie Walter Lansink eben erst gar keine Einkommensteuer zahlen. Schröders Reform wirkt sich bei ihm so aus: 13.000 Mark Jahreseinkommen, Einkommensteuer gibt's keine zurück, aber durch die Öko-Steuer 120 Mark Mehrbelastung im Jahr.

--- Zitatende ---

(In der Zwischenzeit sind die Stromkosten drastisch angestiegen, so daß die Leistungsempfänger noch stärker belastet werden.)

- Monitor, Steuerreform - Familien und Rentner benachteiligt
(Leider ist im Monitor-Archiv der Beitrag bloß noch als PDF-Datei abzurufen. Und das auch nur, wenn man den Beitragsinhalt kennt und ihn über ein Stichwort in der Suchmaske findet. Allein über diesen Umweg gelangt man an bestimmte Berichte des seit 1998 geführten Archivs, da der Klick auf ältere Sendungen und Beiträge automatisch zurück zur Startseite führt. Das ist unfreundlich und inakzeptabel, werden dem interessierten Zuschauer, der mit seinen GEZ-Gebühren auch diese Politmagazine bezahlt, solche Informationen vorenthalten.)
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 9587 )

O Deutschland, du mein hetzlich Land 
Monday, 26. December, 2005 - Politik, Medien
Ist Deutschland ein Land der Schmarotzer? Diesen Eindruck muß man gewinnen, denkt man man Helmut Kohls "kollektiven Freizeitpark", Gerhard Schröders "kein Recht auf Faulheit", Wolfgang Clements "Abzocker" und die vielen anderen Beleidigungen, die diätensatte Politiker und profitmaximierende Manager immer wieder offen oder versteckt an die Adresse der schwächsten Glieder einer Gesellschaft richten. Wohlkalkuliert äußern sie so etwas gerne salopp in der Bild-Zeitung oder vordergründig seriös im Spiegel, und sie können sich damit sicher sein, daß ihre Äußerungen auf fruchtbaren Gedankenboden fallen werden.
   Wäre Hetze hier nicht das richtige Wort der Wahl? Oder gar Volksverhetzung, wie sie das Strafgesetzbuch versteht:

§ 130 Volksverhetzung

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

      1. zum Haß gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder
      2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, daß er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.


Es scheint, als wollten Politiker, aber auch Wirtschaftsbosse und sonstige interessierte Kreise die Bevölkerungsschichten gegeneinander abgrenzen, um ja keine Solidarität und damit die Macht der Masse aufkommen zu lassen. Wie erstaunlich ist es, wenn ausgerechnet sie Kritik an hohen Managergehältern zum Sozialneid erklären und gleichzeitig armen Menschen eine Mitnahmementalität vorwerfen.

- Strafgesetzbuch, § 130 Volksverhetzung

- Labournet, "Faulenzer"-Debatte die x-te - Arbeitslose sind faul und die Erde eine Scheibe

- Prof. Rainer Roth, Zu den ökonomischen Hintergründen der Agenda 2010

- taz, 08.11.2005, Der denunzierte Sozialstaat
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 4293 )

Leistung lohnt sich - nicht! 
Sunday, 25. December, 2005 - Politik, Gedanken und Gedichte
Spitzengehälter steigen und steigen, doch Otto Normalverdiener hat immer weniger in der Tasche. Doch womit werden diese gewaltigen Gehaltsunterschiede begründet: Verantwortung, Leistung, Arbeitszeit?

Das kann es eigentlich nicht sein. Viele "normale" Berufe fordern eine große Verantwortung der Angestellten, etwa der einer Krankenschwester. Doch wollte man behaupten, sie bekäme ein nur annäherend so hohes Gehalt wie der große Verantwortung tragende Manager? Und wie sieht es mit der Berufstätigen aus, die nach Feierabend noch putzen geht, um über die Runden zu kommen? Auch sie leistet viel und arbeitet lange, doch von einem Lohn, der zu mehr als dem monatlichen Lebensbedarf ausreicht, kann sie nur träumen.

Wahrscheinlich waren es einst Manager, die nach einer Begründung für ihre obszön hohen Gehälter suchten, und da ihnen nichts Besseres einfiel, behaupteten sie eben, sie trügen eine größere Verantwortung,leisteten und arbeiteten mehr als andere.
   Wenn heute ein Guido Westerwelle wie eine Aufziehpuppe unablässig davon spricht, Leistung müsse sich (wieder) lohnen, so möge man diesen Mann schleunigst aus der Politik entfernen, denn offensichtlich weiß er nicht, wovon er spricht. Seine einzige Leistung besteht darin, ständig die gleichen Worte zu wiederholen und darauf zu hoffen, daß sie irgendwann als wahr anerkannt werden. Dankbare Schreiberlinge oder Rederunden à la Christiansen als Plattform finden sich ja leider genug, was man daran merkt, daß Westerwelles Unfugsworte überhaupt allgemein bekannt sind.

- ver.di Bildung + Beratung: Managergehälter 2004
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 1195 )

Weihnachslied, chemisch gereinigt (Erich Kästner) 
Saturday, 24. December, 2005 - Kabarett und Satire, Gedanken und Gedichte
Erich Kästner

Weihnachtslied, chemisch gereinigt


(Nach der Melodie: "Morgen, Kinder, wird's was geben!")

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte Euch das Leben.
Das genügt, wenn man's bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist's noch nicht soweit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bißchen durch die Straßen!
Dort gibt's Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen -
Lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt's an Holz!
Stille Nacht und heil'ge Nacht -
Weint, wenn's geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit ...

Ach, du liebe Weihnachtszeit!


Dieser Text wurde der lesenswerten Seite Labournet.de entliehen.

Mit Dank an Werner Schlegel für den Hinweis auf dieses Erich-Kästner-Gedicht.
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 9478 )

Die abgelaufene Kulturzeit 
Friday, 23. December, 2005 - 9/11 - Der 11. September 2001, Medien
Aus einer E-Mail vom 22.07.2005 an die Redaktion der 3sat-Sendung "Kulturzeit":

Date: Fri, 22 Jul 2005 21:36:52 0000
To: "3sat / Kulturzeit" <kulturzeit@3sat.de>
Subject: Divergente Meinungsfreiheit

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrer heutigen Sendung (22.07.2005) fragten Sie wieder einmal, wie dem Terrorismus zu begegnen sei. Einen ersten Ansatz dazu kann ich Ihnen gerne nennen.
   Wie wäre es beispielsweise damit, daß Sie nach fast einem Jahr die falsche Behauptung von Ihrer Kulturzeit-Seite nehmen, daß "31 Prozent der deutschen Jugendlichen unter 30 Jahren glauben, dass Juden und Amerikaner hinter den Anschlägen vom 11. September stecken"? (Bericht "Septemberlügen", http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/70263/) Denn Sie dürften doch in den vergangenen Monaten genügend Zuschauerpost erhalten haben, in der Sie auf diese falsche Behauptung hingewiesen worden sind.

"Die Zeit" hatte am 30.04.2003 eine Forsa-Umfrage veröffentlicht, in der unter anderem gefragt wurde: "Glauben Sie, dass die US-Regierung die Anschläge selbst in Auftrag gegeben hat?" Dies bejahten 31 Prozent der Menschen "unter 30".
   Wie Sie erkennen, wurde nicht nach Juden und Amerikanern gefragt, sondern nach der US-Regierung.
   Außerdem ist die von Ihnen aufgestellte Behauptung recht widersinnig, denn Sie werfen Religions- und Staatszugehörigkeit in einen Topf. Wie unsinnig das ist, erkennen Sie an der folgenden Fragestellung: Sind Deutsche und Christen verantwortungslos? Oder: Sind Moslems und Iraner schuldig?
   Ich hoffe, Sie erkennen den Unterschied.

Worüber ich mich seinerzeit ebenso gewundert habe, war Ihre mangelnde Überprüfung der Zahlen (von denen ich nicht genau weiß, ob diese von Ihnen oder dem Wissenschaftler Lars Rensmann stammen, da Sie seine mögliche Behauptung nicht als Zitat gekennzeichnet haben). Während Sie nämlich bei jenen Autoren, die kritisch über den 11.9. schrieben (Gerhard Wisnewski, Matthias Bröckers, Andreas von Bülow), einen hohen Maßstab an deren Aussagen anlegten, schien das für die Wissenschaftler Lars Rensmann und Tobias Jaecker nicht zu gelten. Diese durften mühelos eine Kette vom 11.9. zu Verschwörungstheoretikern hin zum Antisemitismus bilden, ohne daß dies auch nur ansatzweise für eine Theorie gehalten wurde.
   Der Skandal ist jedoch weniger, daß diese Jungwissenschaftler dies behaupten, sondern daß anscheinend bei 3sat gewünscht war, einen solchen Beitrag zu senden, um Skeptiker an der offiziellen Version des 11.9. in die rechte Ecke zu stellen. Von Kulturzeit hätte ich zu diesem Thema jedoch eher eine Auseinandersetzung denn Polemik erwartet. Zum Beispiel über die nach wie vor nicht vorhandenen Beweise - ich spreche nicht von Behauptungen! - der Tatverantwortung Attas & Co. Oder den ausgebliebenen Veröffentlichungen der Kamerabilder des Sheraton-Hotels, der Gas-Tankstelle, der Verkehrsüberwachung und des Pentagons selbst. Oder daß die vermuteten Attentäter über ein DNA-Ausschlußverfahren, jedoch nicht eine DNA-Identifikation ermittelt worden sein sollen. Warum höre ich hier von Ihnen lediglich in einem Halbsatz, die alles sei widerlegt, obwohl Ihre Behauptung doch gar nicht der Wahrheit entspricht?

(...)

Daß ich Ihnen erst jetzt diese Zeilen schicke, hängt mit Ihren Berichten zusammen, die Sie in den letzten Sendungen über Terrorismus und Meinungsfreiheit brachten. Wahrscheinlich ist es aber wiederum nicht konform, wenn ich Sie darauf hinweise, daß ich gerne von Ihnen einen Beitrag über Meinungsfreiheit hierzulande gesehen hätte, als der WDR öffentlich erklärte, dem Autorenduo Gerhard Wisnewski und Willy Brunner nach ihrer Dokumentation "Aktenzeichen 11.9. ungelöst" (20.06.2003, WDR) keinerlei Aufträge mehr zu erteilen. Für Freiberufler kann dies existenzgefährdend sein, zumal Wisnewski/Brunner aufgrund vieler Dokumentationen und Reportagen für den WDR sehr an diesen Sender gebunden waren.

(Übrigens findet sich auch auf den 3sat-Seiten eine Doku des Duos aus dem Jahre 2000: "Am Himmel gibt es keine Bremsspuren - Wie Flugunfälle aufgeklärt werden" http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/70263/) [Hier nannte ich versehentlich eine falsche Adresse; die richtige lautet: http://www.3sat.de/service/pressetreff/20102001_9.html]

Auch sähe ich es gerne, wenn Sie über die ungesetzliche Inhaftierungen - von KZ-ähnlichen Zuständen darf man wohl nicht reden? - auf Guantanamo ebenso oft wie über den Terrorismus und dessen Umstände diskutierten. Denn es ist doch eine mangelnde Wahrnehmung der Wirklichkeit, wenn täglich in den Nachrichten über Terror berichtet wird, Menschen jedoch vor den Augen der Welt zu Rechtlosen erklärt und auf unbestimmte Zeit festgehalten werden - und das ausgerechnet von jenem Land, das eine große Demokratie sein will...! Ab wann darf man denn nach Ihrer Auffassung davon sprechen, daß in den USA eine Diktatur, wenn auch in leicht verändertem Gewand als in früheren, herrscht? Oder ist dies eine mangelnde Wahrnehmung der Wirklichkeit meinerseits?
   Was die Herren Wisnewski und Brunner anbetrifft, so überlege ich, ob für Kulturzeit nur dann Meinungsfreiheit und mangelnde Obrigkeitsgläubigkeit gilt, wenn konformistische Journalisten in die Mühlen des System geraten? Zumindest stellt sich die Frage, wie ernst Ihre Beiträge über Meinung und Meinungsfreiheit tatsächlich zu nehmen sind, wenn man eine einseitige Betrachtungsweise feststellen muß.

Mit freundlichen Gruß

Marco Müller

*   *   *

Leider hielt es die "Kulturzeit"-Redaktion für unnötig, auf meine Zeilen in irgendeiner Weise zu reagieren. Etwa, indem sie erklärt hätte, weshalb sie an der offensichtlichen falschen Aussage des Herrn Lars Rensmann festhält, oder indem sie wenigstens die falsche Aussage korrigiert hätte.
    Eine Nachfrage bei der Redaktion am 10.09.2005 blieb ebenfalls unbeantwortet, weshalb nun davon ausgegangen werden muß, daß "Kulturzeit" absichtlich an der falschen Aussage festhält.

Das wirft die Frage auf, was man bei "Kulturzeit" möglicherweise noch alles zurechtbiegt, um zu dem Welt- und Kulturbild zu kommen, das man der Zielgruppe zu übermitteln trachtet.
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 9451 )

Bettlägerige Journalisten 
Thursday, 22. December, 2005 - Medien
Gerhard Wisnewski schreibt heute auf seiner Seite:

"Laut tagesschau.de gaben sich deutsche Soldaten in Bosnien als Journalisten aus, um Angehörige von Inhaftierten auszuhorchen. Statt als Artikel, wie den Betroffenen vorgelogen, erschien das Material dann als Geheimdienstbericht. Die Verwischung von Journalismus und Soldatenhandwerk kann freilich nur Laien überraschen." [mehr...]

Diese Verwischung von Journalismus und Soldatenhandwerk muß in der Tat nicht überraschen, erlebten wir doch ähnliches schon im letzten sogenannten Irakkrieg. Selbstverständlich war das kein Krieg, sondern der Überfall einer waffenstrotzenden Nation auf einen souveränen Staat. Ob es sich bei diesem souveränen Staat um eine echte Diktatur oder eine scheinbare Demokratie handelte, sei dahingestellt, denn die USA hatten noch nie Probleme mit diktatorischen Systemen, solange es die "richtigen" waren.
   Man stelle sich vor, ein Dutzend junger Männer, gut bestückt mit Pistolen, Messern und Baseballschlägern, greifen einen Rentner an, der bestenfalls mit Worten statt mit Waffen umgehen kann. Wer würde hierbei glauben, es handele sich um eine Auseinandersetzung gleichstarker Gegner? Und wer wollte glauben, daß es zwischen den USA und dem Irak eine Auseinandersetzung zwischen ebenbürtigen Kräften, also einen Krieg gegeben hätte?

Die Dauer der Kampfhandlung kann ein Maßstab dafür sein, ob sich Gleichwertige auseinandersetzen. Insofern muß man sich fragen: Wenn die USA am 20. März 2003 den Irak angreifen und US-Präsident Bush am 1. Mai 2003 auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln sein "Mission accomplished" verkündet, sollte man dann wirklich davon ausgehen, es habe ein fairer Kampf stattgefunden, in dem der eine den anderen niedergerungen hat?
   Daß dennoch nicht wenige Menschen glauben, es handelte sich um einen Sechswochenkrieg und nicht um das, was es tatsächlich war, nämlich eine Provokation, ein Überfall, ein von vornherein sicherer Sieg über einen völlig unterlegenen Gegner, liegt nicht eben wenig an der Berichterstattung jener Journalisten, die die US-Streitkräfte im "Kampf" begleiteten. "Embedded" oder "eingebettet" nannte man das. (Halb zog man ihn, halb sank er hin?) Allerdings wäre es töricht von den Lesern und Zuschauern gewesen, hätten sie von solchen Journalisten erwartet, daß diese dennoch knallhart, kritisch und neutral von dem Geschehen berichten. Dieses Geschehen, daß kein Krieg war, sondern nur ein weiterer Raubüberfall jener Militärmacht, die ihren Terror und ihr Morden als Verteidigungsmaßnahme verklärt und Begriffe wie Demokratie und Freiheit für ihre Machtansprüche instrumentalisiert.

Saddam Hussein hatte damals seine guten Gründe, Kuweit zu überfallen, denn gute Gründe lassen sich jederzeit finden, selbst wenn sie noch so absurd sind. Etwa die Behauptung, Deutschland müsse auch am Hindukusch verteidigt werden. Ein Journalist sollte solchen rhetorischen Unfug keinesfalls durchgehen lassen, und erst recht sollte sein Handwerk nicht darin bestehen, sich immer wieder bei den Mächtigen anzubiedern, um mit tösenden Elefantenschlagzeilen zu glänzen, obwohl sich dahinter nur müde Mückengeschichten verbergen.

Verkleiden sich Soldaten als Journalisten, oder sind Journalisten nicht längst zu Soldaten geworden: der Anzug als Uniform, das Mikrofon als Waffe, die Meinungshoheit als Hoheitsmeinung?

*   *   *

Nachtrag: Letzter Absatz neu verfaßt. Der Artikel wurde am 29.12.2005 mit dem Titel "Journalismus: Das Mikrophon als Waffe" auf www.gerhard-wisnewski.de veröffentlicht.
Kommentar hinzufügen   |  0 Trackbacks   |  Permalink   |   ( 3 / 2685 )

Gnothi se auton - Erkenne dich selbst 
Wednesday, 21. December, 2005 - Gedanken und Gedichte
"Es bleibt aber die Sehnsucht, erlöst zu werden. Und erlöst zu werden von einem anderen - nicht von sich selbst. In der Liebe erhofft man sich immer, von dem anderen erlöst zu werden; insofern, als daß man die ga